Hallo Norbert,
> Da werden hochwisssenschaftliche Untersuchungen und angeblich
> aussagekräftige Statistiken herangezogen, die aber bei näherer
> Betrachtung nicht unbedingt 100% nachvollziehbar sind.
Das ist Deine persönliche Meinung, nachdem Du mal stichprobenartig in einige Erhebungen geschaut hast, die als Auswahl von Informationen zufällig Online verfügbar sind. Der Gesetzgeber hat dies anders gesehen.
> Kann jeder selbst forschen mit den Google-Suchbegriffen: sicherheit auf
> radwegen
Ja, das ist ein guter Hinweis: Radweg, Radwegbenutzungspflicht, Radwegsicherheit, Radwege und Sicherheit, Sicherheit auf Radwegen etc.
Allerdings findet man durchaus nicht alles im Internet: Die vollständigen Berichte der bast und die häufig zitierten Studien muß man, mitunter auch kostenpflichtig, beim Herausgeber anfordern.
> Zwar findet man jede Menge Stimmen, die sagen, dass es ein Märchen ist,
> dass es auf dem Radweg unsicher ist, aber bei ganz genauer Lesart haben
> diese „Fachberichte“ nur gaaaanz wenig Ursprungsquellen.
Da habe ich aber einen ganz anderen Eindruck: Es gibt lattenweise Beobachtungen in unterschiedlichen Städten und auch in diversen weiteren Ländern, die zu ähnlichen Ergebnissen kommen. John Franklin weist in Cycle path safety: A summary of research fast 40 unterschiedliche Quellen nach! Es gibt offenbar nur quantitative Unterschiede der Probleme, je nach Ausbau des Straßennetzes und der Radwege in den Orten.
Die Gegenprobe fördert allerdings keine Quellen zutage, die für die Sicherheit von abseitigen Radwegen sprechen, oder?
> Die Begründung der wissenschaftlichen „Pro-Leute“ basiert zum Teil auf
> Erkenntnisse, die über 10 Jahre alt sind. Denn wenn die „Radfahrernovelle“
> 1997 umgesetzt wurde, sind die eingeflossenen Erkenntnisse noch älter.
> Ich muss Dir ja nicht sagen, wie sich in den letzten 10 - 15 Jahren der
> Verkehr allein in Berlin verändert hat.
Ja, an vielen Stellen besteht freie Wahl des Weges, und trotz steigenden Kraftverkehrs und steigender Popularität des Fahrrades hat man gute Erfahrungen damit gemacht, wie die Polizei berichtet, und wie man den eher sinkenden Zahlen getöteter Radfahrer laut bast entnehmen kann.
> Was ist, wenn sich die Theorie der „sicheren Straße“ als falsch
> herausstellt und die Zahl der tödlich verunglückten Radfahrer steigt
> wieder?
Die Frage war vor 10 Jahren heiß, als die allgemeine Radwegbenutzungspflicht abgeschafft wurde. Wie geschrieben, die Befürchtungen der Zweifler haben sich offenbar nicht erfüllt.
> Hier z. B. der Hinweis, dass die Straße sicherer ist als der Radweg. Es wird
> aber mit der „Anbringung“ des Radweges außerhalb des Sichtfeldes vom
> Autofahrer begründet.
Ja, daß ist der typische und umstrittene Radweg auf dem Gehsteig.
> Das Verhalten des Radlers, einem Erwachsenen, von dem ich erwarten
> kann, dass er die Gesamtsituation halbwegs abschätzen kann.
Ja, als aktiver Motorrad- und Rennradfahrer kann ich das. Ich habe ja zweimal den Führerschein gemacht, einmal mit 18 für die Karre, und einmal mit 29 für's Mopped. Mein Moppedlehrer hat mir den Schulterblick so eingebleut, daß ich ihn mittlerweile sogar als Beifahrer mache. Ich schaue auch lange und weit vor der Kreuzung nach Abbiegern.
Schön für mich und all noch erfahrenen Fahrer, aber was ist mit älteren Menschen oder zahlreichen Erwachsenen, deren Fahrradprüfung auf die 4. Grundschulklasse zurückgeht?
Benötigen die nicht eine erhöhre Aufmerksamkeit?
Befinden die sich nicht auf dem heimeligen Abseitsradweg in einem trügerischen Sicherheitsgefühl, weil Ihnen garnicht klar ist, daß die Autofahrer nicht an sie denken, und die im übrigen auf ihrem "sicheren" Radweg auch nicht mehr an die Kraftfahrer denken?
> Hier die Erfahrungen der Stadt Wesel. Ausschließlich positiv durch die
> geschickte Anordnung der Radwege. Es hat den Anschein, dass eher die
> Anordnungen der „Fahrbahnzuweisungen“ und deren Gesamtzustand die
> Sicherheit deutlich erhöhen können, als die „Freigabe“ der Straße.
Norbert, hier sind wir 100 % einer Meinung: --- Denn der Bericht bestätigt ja die Probleme von Abseitsradwegen und die Vorteile der Radspuren:
"Ein Problem im innerörtlichen Radverkehr ist die Verkehrsführung in Knotenpunkten. Ist der Autofahrer vom Radfahrer bevor es in den Knotenpunkt geht, getrennt geführt, weil separate Radwege angelegt wurden, schenkt er ihm auch oft nicht die ausreichende Aufmerksamkeit. In Knotenpunkten werden beide Gruppen wieder zusammengeführt. Dies birgt, auch durch oft falsches Verhalten aller beteiligten Verkehrsteilnehmer, Konflikt- und Unfallpotenzial."
Weiter heißt es:
"Radwege werden aber nur dann vollständig akzeptiert, wenn sie eine bestimmte Mindestbreite aufweisen. Eingeschränkt ist die Verwaltung bei der Planung jedoch oft durch den nur begrenzt vorhandenen Verkehrsraum, der nicht vermehrbar ist. Ein Ausweg ist in solchen Fällen die Kombination des Radweges mit dem Gehweg. Das hierdurch entstehende Konfliktpotenzial zwischen Radfahrern und Fußgängern ist bekannt und teilweise nur schwer zu vermeiden."
Und wie ham's die Wes'ler gemacht?
"Um einen Netzschluss für den Radfahrer erreichen zu können, mussten auch kostengünstige Alternativen überlegt werden. Ein komplett neuer Ausbau des gesamten Straßennetzes unter Berücksichtigung der Anlegung von Radwegen wäre nicht finanzierbar, allerdings auch nicht nötig gewesen. Daher hat die Stadt Wesel in großem Umfang Angebotsstreifen und auf der Fahrbahn markierte Radwege angelegt und auf diese Art und Weise einen flächendeckenden Netzschluss für den Radfahrer erreicht."
Wie man auch auf den Bildern sieht, möglichst wenig problematische Abseitsradwege und dafür durchgehend Angebotsstreifen und Radspuren 
> Wenn sich ein Motorradfahrer hinstellt und sagt, dass das Fahren mit dem
> Moped ganz schön gefährlich ist, bekommt er den Tipp, den Bock stehen
> zu lassen. Werden Häufigkeiten bei Motorradunfällen festgestellt, erfolgen
> Streckensperrungen für diese Gruppe. Für uns Mopedfahrer sind
> Bitumenflickerei und sonstige Bausünden genau so gefährlich. Dort hören
> „wir“ uns an: „Fahrt langsamer, dann passiert nichts“.
Siehste, also werden auch Motorradfahrer mit denselben Phrasen betäubt wie die Radfahrer.
Deswegen verstehe ich nicht, warum sich auch gerade Motorradfahrer in Vorurteilsbildung gegen Radfahrer ergehen, statt sich genauso engagiert für ihre Interessen einzusetzen. 
> Wem es zu gefährlich ist, kann ja auf den ÖPNV umsteigen. Wären alles
> überaus sichere Alternative, die dem Steuerzahler überhaupt nichts
> kosten und die Zahl der tödlich verletzten Radfahrer sinkt.
Als Motorradfahrer weißt Du sicher, daß das grober Unfug ist? --- Die meisten Moppeds werden ja auch im Frühjahr plattgemacht, weil die Kraftfahrer sie in der Winterpause vergessen haben. Ähnliches habe ich auch über den Radverkehr gelesen: Die Zahlen der Getöteten sinken mit steigender Anzahl von Radfahrern.
viele Grüße
Andreas