ECW versus GeoTIFF

  • Hi,

    ECW und GeoTIFF haben sich ja als defacto-Standard in der Kartenwelt etabliert. Ich persönlich ziehe ECW vor. Aber es gibt ja verschiedene Softwareprodukte, die wiederum immer andere Kartenformate unterstützen.

    Aus diesem Umstand heraus habe ich von meinen Sourcekarten (jpgs referenziert, Rasterkarten, keine Sat-images) einmal ECW und einmal GeoTIFF gemacht. ECW in 1:5, GeoTIFF in 8bit optimized palette und Standardeinstellungen in Global Mapper.

    Das Ergebnis:

    Filegrösse: 2,58 GB in ECW und 4,12 GB in GeoTIFF (aufgeteilt auf jeweils 4 Files)
    Optik: Die GeoTIFF schaut grauslich aus. Unschärfe, pixelige Hinterlegungen der Karteninhalte (z. B. Symbole)

    Ich dachte immer, GeoTIFF wäre kleiner mit besserer Qualität. Bei mir ist es aber umgekehrt.

    Ist das so oder hab ich was übersehen? Alle Statements gerne willkommen.

    lg, Paul

  • Ich dachte immer, GeoTIFF wäre kleiner mit besserer Qualität.


    Hallo Paul,


    so pauschal kann man das nicht sagen, ebenso sind die Standardeinstellungen von GM nicht immer passend. Ich kann mir das gern mal ansehen, dazu bräuchte ich eine deiner Quelldateien sowie die dazugehörigen Geotiff- und ECW-Dateien, möglichst ein besonders schreckliches Beispiel. Lade die Dateien irgendwohin hoch und schick mir die Links per PN.

    "The universal aptitude for inaptitude makes any human accomplishment an incredible miracle." (John Paul Stapp)

  • Jede Kompression ist auf eine bestimmt Quelle optimiert. Wenn man das nicht beachtet kommt es zu suboptimalen Ergebnissen.


    ECW ist eine Wavelet Kompression. Diese ist besonders effektiv für fotoähnliche Quellen. Also Satellitenbilder usw.


    Geotiff benützt in der Regel eine Lauflängencodierung. Hier nimmt man an, dass in einer Bildzeile mehrere Pixel immer den gleichen Farbwert haben. Bei den offiziellen Karten der LVAs trifft das zu. Hier ist ein 8bit Farbpaletten GeoTiff wirklich sehr effizient.


    Jpegs haben immer einen 24Bit Farbraum. Wenn Du die in ein 8bit Geotiff zwängen willst musst Du die Farben reduzieren und idealerweise eine auf die Datei optimierte Palette benützen. Sonst sieht es schrecklich aus. Zudem wird so eine Karte nicht immer optimal als Tif komprimiert. GeoTiff kann aber auch 32Bit RGBA komprimieren. Das ist sicherlich nicht zu effektiv wie ECW aber oft akzeptabel. Der Farbraum der Datei bleibt dabei erhalten.

  • Hallo Paul,


    standardmäßig verwendet GM glaub ich Packbits Kompression. Das ist nicht so ideal. Besser ist LZW und noch ein bischen besser Deflate. Wenn die Quellkarten jpgs sind, dann könntest du sogar JPEG Kompression mit 24 bit Farben in Erwägung ziehen. Die Reduktion auf 8 bit kann je nach Ausgangmaterial auch schlechte Resultate bringen, zB wenn eine starke Schummerung in der Karte ist. Allerdings muß man bei den "besseren" Kompressionsmethoden damit rechnen, daß die nicht gelesen werden können, zB der Oziexplorer scheint da recht eingeschränkt zu sein.


    Ich hab allerdings auch schon beobachtet, daß der GM nicht exakt das Eingangsmaterial wiedergibt, wenn man nur Ausschnitte ausgibt. Hier ein Beispiel:
    http://www.naviboard.de/vb/showpost.php?p=374956&postcount=2

  • Hi,


    danke für Eure Infos. Ich kann mich ja mal mehr damit spielen. Was ich allerdings seltsam finde ist, dass ein 8bit-Geotiff grösser ist als ein 24bit-ECW.


    @ Hans: Danke für Dein Angebot. Ich werd mal einen kleineren Ausschnitt machen und dann hochladen. Die Karten besteht nämlich aus ca. 600 Jpg-Tiles und die Outputfiles sind auch gross.


    lg, Paul

  • Hallo,


    meine GeoTiffs bestehen aus ca. 150 einzelnen JPGs (Scans), die unterschiedlich in ihren Farben und Schattierungen sind. Manche Kartenblätter sind ja neu, einige schon gebraucht und verfärbt.


    Zum Testen wollte ich das mit nur einem Blatt aus dieser Serie machen (und ein in der Grösse kleines Testfile zu erhalten). Und das Ergebnis war: ECW und GeoTiff sind gleich was Qualität angeht.


    Ergo muss die Summe aus den ca. 150 Einzeltiles die Ursache für die schlechten GeoTiffs sein. Da ja jedes für sich keinen Qualitätsverlust hat.


    Nun, ich denke, dass ihr auch nicht für jedes Kartenblatt ein eigenens GeoTiff macht, sondern mehrere zu einem grossen GeoTiff zusammenfasst. Wie bewerkstelligt ihr das bei unterschiedlich "schönen" Quell-Kartentiles?


    lg, Paul

  • Wenn jedes Blatt nur 256 Farben hätte, aber alle 150 Blätter unterschiedlich sind, dann hast du im kombinierten Bild doch wieder 256 * 150 = 38400 Farben, die dann wieder reduziert werden müssen. Ich würde die jpgs mal in einem Bildverarbeitungsprogramm durch eine automatische Farbkorrektur laufen lassen, in der Hoffnung daß sich die Farben dann etwas angleichen.


    Aber wäre es nicht einfacher, es bei 24 bit Farben zu belassen?

  • mögen die ganzen Naviprogramme (z. B. Fugawi, CompeGPS Land, etc.) ein GeoTiff mit 24 bit Farbtiefe?


    ja, die Frage ist eher, ob der Rechner genug Speicher hat. Falls du mit TTQV4 arbeitest, laß von GM gleich ein gekacheltes Geotiff schreiben ("use tile orientation rather than strip orientation" im Exportdialog markieren), bei großen Tiffs tut sich QV4 damit leichter.

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  • Ergo muss die Summe aus den ca. 150 Einzeltiles die Ursache für die schlechten GeoTiffs sein. Da ja jedes für sich keinen Qualitätsverlust hat.


    Nun, ich denke, dass ihr auch nicht für jedes Kartenblatt ein eigenens GeoTiff macht, sondern mehrere zu einem grossen GeoTiff zusammenfasst. Wie bewerkstelligt ihr das bei unterschiedlich "schönen" Quell-Kartentiles?


    Doch ich lasse jedes Blatt als einzelnes GeoTiff, eben weil gescannte Karten sich nicht ohne große Verluste auf eine gemeinsame Palette reduzieren lassen. Die Karten dürfen natürlich keinen Rand haben. Dann kann QLandkarte GT mehrere Geotiffs in einer Ebene darstellen. Selbstverständlich gehen aber auch 24bit Geotiffs.


    Grüße


    Oliver

  • Hi again,

    ich hab mich mal wieder mit den GeoTiffs gespielt. Da ich an die knapp 600 Einzelblätter habe, ziehe ich die Möglichkeit von "jedes Blatt als GeoTiff" nicht in Betracht.

    Ergo hab ich mit 24bit GeoTiff probiert. Und: Das Teil wird ja mächtig gross. Als normales GeoTiff ging das garnicht mehr, ergo machte Globalmapper ein BigTiff daraus mit 9 GB Grösse (im Vergleich als ECW hat es 611 MB und als 8bit GeoTiff 920 MB ).

    Fugawi kann aber BigTiff eh nicht lesen und ausserdem ist mir die Grösse einfach zu gross. Ausser als verlustfreie Ablage kann ich jetzt auch keine Vorteile zu GeoTiff erkennen.

    Welches Format bevorzugt eigentlich ihr? Bei welchen Programm und Verwendungszweck?

    lg, Paul

  • Hallo Paul,

    ECW in WGS84 UTM für Satmaps (wird direkt von TwoNav/CGPSL/TTQV gelesen)

    RMAP generiert mit TTQV 4 aus 8/24 Bit Geotiffs bzw.aus in TTQV 4 darstellbaren lizensierten Karten (Top Karten der LVA, Bayo...)

    RMAP generiert mit CGPSL aus 24 Bit Geotiffs bzw. aus in CGPSL darstellbaren lizensierten Karten (Swiss-Topo, Kompass...)

    Normale Rasterkarten, die in GM darstellbar sind, gebe ich als Geotiff zur RMAP Generierung aus. Große WMS downloads speichere ich 1:1 als ECW in Tiles (Downloadsicherheit) zur Weiterverarbeitung ab.

    CGPSL/TwoNav stellt großflächige, zusammenhängende Maps (ECW und RMAP zusammen via Hypermap Textfile) in 2D/3D in einer Performance dar, die ich von keinem GIS Programm kenne incl. Hybridmaps und Onlinemaps. Hpermaps mit >350 GB (SAT und große Teile Europas in 25/50K) sind kein Problem.


    Als Backup halte ich mir die orig. Maps bzw. Geotiffs aus Konvertierungen vor. RMAPS sind auch ohne Probleme wieder zu Geotiffs wandelbar, wenn Datum/Projektion passt.

    Ich beachte bei der Maperzeugung die FAT 32 Grenze von 4 GB für die Handgeräte. Wird in einigen Jahren nicht mehr relevant sein.

    Im Gisbereich ist für mich nach wie vor Windows aus meiner Sicht eine anwenderfreudliche Umgebung.

    Servus
    Gerd
    Anima - Aventura - Sportiva - Acer A210 - Acer Gallant Duo mit TwoNav 3* - CGPSL - TTQV 4/6 PU - Globalmapper 13 -
    TwoNav-Einsatz: Trekking, MTB, Ski-Touren, Hybrid-Straßennavigation

  • Hallo Paul,


    geotiff für Karten, ecw für Satellitenbilder und als letzten Schritt für sonstige Pixelmonster, die alle gewünschten Bearbeitungen hinter sich haben, wobei ich die Rohdaten aufhebe. Als zentrale Software TTQV, für Kartenbasteleien und Härtefälle Global Mapper, ggf. Aufbereitung der Rohdaten mit Gimp oder XnView.

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  • ich hab mich mal wieder mit den GeoTiffs gespielt. Da ich an die knapp 600 Einzelblätter habe, ziehe ich die Möglichkeit von "jedes Blatt als GeoTiff" nicht in Betracht.



    Warum nicht? Für die Software sind kleine Einzeldateien immer etwas besser zu behandeln als Boliden von 8 GB Größe.



    Ergo hab ich mit 24bit GeoTiff probiert. Und: Das Teil wird ja mächtig gross. Als normales GeoTiff ging das garnicht mehr, ergo machte Globalmapper ein BigTiff daraus mit 9 GB Grösse (im Vergleich als ECW hat es 611 MB und als 8bit GeoTiff 920 MB ).


    Sicher dass das GeoTiff mit LZW komprimiert war?


    Ausser als verlustfreie Ablage kann ich jetzt auch keine Vorteile zu GeoTiff erkennen.



    Ich kann es nur wiederholen: Wenn Du die Karte nicht an den Kompressionsalgorithmus anpasst, kann da nichts Vernünftiges herauskommen.


    Wenn Du partout darauf bestehst, dass die Karten einen Farbraum wie ein Foto haben müssen und auch vom Inhalt eine ähnliche Farbvarianz aufweisen, ist eine Waveletkompression, wie sie bei ECW benutzt wird, optimal.


    Wenn Du deine Karten auf einen 8 Bit Farbraum reduzieren kannst und sogar die Varianz innerhalb von Flächen weg bekommst, dann wird die Lauflängenkompression unschlagbar sein.



    Welches Format bevorzugt eigentlich ihr? Bei welchen Programm und Verwendungszweck?


    Hatte ich schon geschrieben. GeoTiff mit QLandkarte zusammen. Ich reduziere aber auch die Farben meiner gescannten Karten mit Gimp auf eine Standardpalette. Und habe keine Probleme mit vielen Einzeldateien, bzw QLandkarte hat damit keine Probleme. Die Karten benutze ich zur Planung und auf meinem Gerät (Garmin 62s).


    Wobei sie für das Gerät in Jpeg umgewandelt werden müssen. Das ist gerade bei den Karten mit wirklich einfarbigen Flächen nicht immer schön, da dann Kompressionsartefakte auch auf dem Gerät zu erkennen sind.

  • Hi,


    danke für die Info. Ich sehe, was Graphikformate angeht, hab ich wirklich nicht viel Ahnung. Werd da noch was dazulernen müssen.


    vielen Dank nochmals,
    Paul

  • Hi nochmals,


    Olivers Vorschlag zufolge ist es die beste Variante, alle Einzeltiles als GeoTIFF (8 Bit) abzuspeichern. Klingt ja auch plausibel.


    Aber:


    Ich habe die Einzeltiles (im Ursprung JPGs) georeferenziert und in Gruppen als Global-Mapper-Workspace abgespeichert. Jeder dieser GMW beinhaltet so ca. 100 Tiles. Diese scheinen dann im Control Center als Overlay auf.


    Gibts eine Möglichkeit, Global Mapper zu sagen, dass jedes Overlay einzeln als GeoTIFF exportiert werden soll? Ich hab nach langen Spielen damit nichts gefunden. Ich kann nur das Ganze auf einmal exportieren, oder eben händisch alle anderen - bis auf das eine - rauslöschen und dann exportieren, nur da wird man alt.


    lg, Paul